Sei S-M-A-R-T im Hier & Jetzt

Lesezeit: 6 Minuten

„Aufgrund der aktuellen Situation“,

„Durch die gegebenen Umstände“,

„Zur Vermeidung weiterer Infektionsrisiken“

Ich könnte die Liste der Formulierungen noch ohne Probleme bis zum Ende des Blog-Eintrages fortführen, aber das ändert auch nichts an jener aktuellen Situation oder den gegebenen Umständen, in denen wir uns gerade befinden. Die Corona Krise zieht tiefe Furchen durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Aber sie bietet auch Chancen. Und jede Chance bedeutet Potential, woraus letztendlich womöglich ein Gewinn entstehen kann. Als Sportwissenschaftler habe ich in den letzten Tagen und Wochen mit vielen Menschen aus unterschiedlichsten Branchen gesprochen. Die Mehrheit von Ihnen hat durch Auftragsausfälle oder Kurzarbeit so viel Freizeit wie noch nie. Paradoxerweise wird diese Freizeit durch erhebliche Einbußen der Freiheit in Form von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten reglementiert. Was kann ich nun mit der „überschüssigen Zeit“ anfangen?

Wir brauchen Ziele: Vorhaben, die uns herausfordern, Dinge, die schon längst hätten getan werden sollen oder aus Zeitnot unerfüllte Träume. Frei nach dem Motto: "Wenn nicht jetzt, wann dann?", sollten wir uns nicht tatenlos und ohnmächtig vor den Fernseher setzen und warten, bis die Krise vorbei ist, sondern die Zeit effektiv nutzen, die uns jene Notsituation bietet.

SMART GOALS Bild: pixaybay.de

Abbildung: Set Goals; Bild von gabrielle_cc auf Pixabay

Um Vorhaben und Ziele effektiv umsetzen zu können, wird von Wissenschaftlern aller Fachbereiche häufig die SMART-Methode eingesetzt. Ohne weitere Vorrede möchte ich diese Methode präsentieren:

- simple, specific, sensible, significant
- meaningful, motivating
- acceptable, achievable, assignable
R  
- realistic, reviewable
-  time-framed, time-based, truthful1

Die Begriffe hinter den einzelnen Buchstaben sprechen im Prinzip für sich selbst. Werden sie kombiniert und die Zielplanung danach ausgerichtet, sind die Erfolgsaussichten relativ hoch (im Gegensatz zu Neujahrsvorsätzen, von denen jährlich etwa 80% scheitern2).

In erster Linie sollten Ziele spezifisch und einfach formuliert werden. Der Vorsatz „Ich höre auf zu rauchen“ erfüllt zwar diese Kriterien, missachtet aber das zweite Kriterium motivierend zu sein. Der Mensch reagiert naturgemäß empfindlich auf Verbote, daher ist es empfehlenswert das Ziel nicht als ein solches zu formulieren1.

Zudem ist es wichtig, das Vorhaben erreichbar und leicht akzeptabel zu gestalten. Das mag paradox klingen - aber sich anfangs zu unterfordern, ist deutlich erfolgsversprechender, als mit einem Misserfolg zu beginnen. Denken wir an den Buchstaben M zurück: Wird ein Misserfolg zu Beginn für die nötige Motivation sorgen?

Daran schließt sich die Empfehlung einer realistischen und überprüfbaren Gestaltung der Absicht an. Welches Ziel lässt sich besser kontrollieren: „Ich möchte körperlich fitter werden“ oder „Ich möchte noch vor Beginn der Sommerferien 5 km in unter 25 Minuten laufen“? Die zweite Frage beinhaltet sogleich den letzten Aspekt einer effektiven Zielformulierung: Gestalten wir das Ziel zeitbasiert bzw. mit einer Zeitvorgabe. Eine sprichwörtliche Deadline sorgt für eine höhere Verbindlichkeit und hilft zudem bei Motivationsproblemen, je näher sich die Zeit dem Ende nähert. Wichtig zu beachten ist es, die Zeitspanne nicht zu groß zu gestalten. Ansonsten besteht die Gefahr, zu Beginn nachlässig zu agieren und kurz vor dem Ende in Panik zu geraten, falls das Ziel noch in weiter Ferne sein sollte.

Beginnen wir demzufolge am besten im Hier und Jetzt, möglichst S-M-A-R-T. Als Extratipp empfehle ich, das Ziel niederzuschreiben und sichtbar an Spiegel, Schrank oder im Auto zu platzieren oder das private Umfeld über sein Vorhaben zu informieren. Das sorgt für zusätzliche Verbindlichkeit und Motivation in der Umsetzung.

 In vielen Bereichen wird fortlaufend nach Optimierungen gesucht: Smartphones, Smart Driving und Smart Homes sind nur ein paar Beispiele davon. Warum sollten wir also nicht in gleicher Weise danach streben, unser Verhalten immer wieder zu optimieren?

Der Autor: Fabian Heidrich

Master of Science in Gesundheits- und Fitnesssport, ebenfalls mit Leidenschaft professioneller Personal Trainer und Instructor für Firmenfitness - aber auch engagierter Kita-Coach. Als erfahrener Personal Coach und durch das Leiten unzähliger Outdoorkurse ist er Meister im Training mit dem eigenen Körpergewicht und verpackt eine Menge Schweiß und Spaß in knackigen Workouts. Aber er kann auch ruhig: seine kreativen und abwechslungsreichen Minipausen sind immer einen Besuch wert.


Quellen:

1) Locke, E. A. & Latham, G. P. (1990): A theory of goal setting and task performance. Upper
Saddle River, NJ: Prentice-Hall.

2) Frey, D. (2018): Psychologie der Rituale und Bräuche. Springer Verlag. München.

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